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ⓘ Vida Movahed



Vida Movahed
                                     

ⓘ Vida Movahed

Vida Movahed, auch Wida Mowahed, ist eine iranische Demonstrantin gegen den Bedeckungszwang für Frauen. Das Bild von Vida Movahed auf dem sie ihr Kopftuch an einem Stock schwenkt, wurde zur Ikone und Symbol des Widerstandes im Iran. Ihre Aktion fand zahlreiche Nachahmerinnen. Vida Movahed wurde verhaftet und einige Wochen später nach weltweiten Protesten wieder freigelassen.

                                     

1. Leben

Die 31-jährige Vida Movahed legte am 27. Dezember 2017 im Zentrum der iranischen Hauptstadt Teheran aus Protest gegen den Kopftuchzwang ihr Kopftuch ab, wobei sie sich an der stark befahrenen Enghelab-Straße auf einen Verteilerkasten stellte und während fast einer Stunde stumm das Kopftuch auf einen Stock gesteckt in die Luft hielt. "Enghelab" bedeutet "Revolution" auf Persisch. Die Enghelab-Straße erhielt Ihren Namen nach der Islamischen Revolution von 1979. Die Identität von Vida Movahed war anfangs unbekannt, so dass sie zunächst die Frau von der Enghelab-Straße genannt wurde. Kurz darauf wurde sie festgenommen. Zeitlich überlappend kam es in den darauffolgenden Tagen zu landesweiten Protesten in Iran, bei denen die wirtschaftliche Situation und der religiöse Fundamentalismus angeprangert wurden. Der landesweite Aufruhr gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und die soziale Misere führte am Anfang des Jahres 2018 zu gegen 4000 Verhaftungen.

Das Beispiel von Vida Movahed fand zahlreiche Nachahmerinnen im ganzen Land. Fotos und Videos von Aktivistinnen verbreiteten sich rasch in den sozialen Medien der Iranischen Republik. Vida Movahed avancierte zu einem Symbol der regimekritischen Proteste im Land. Bilder und Aufnahmen von Vida Movahed erregten weltweites Echo. Am 24. Januar 2018 forderte Amnesty International von der iranischen Regierung die sofortige und bedingungslose Freilassung von Vida Movahed. Gemäß der Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotoudeh wurde sie am 28. Januar aus der Gefangenschaft entlassen. Sie habe aber die Bedingungen der Haft sehr schlecht verkraftet und werde deshalb nicht mehr öffentlich auftreten.

                                     

2. Auswirkungen

Am 1. Februar 2018 verhaftete die iranische Polizei 29 weitere Frauen die sich öffentlich ihres Kopftuches entledigten. Am 2. Februar verurteilte das Außenministerium der Vereinigten Staaten die Verhaftungen der Frauen. Den Frauen drohen Gefängnisstrafen bis zu zehn Jahren: Narges Hosseini, die am 29. Januar verhaftet wurde, wurde angeklagt "eine sündhafte Handlung begangen zu haben", "das Schamgefühl der Öffentlichkeit verletzt zu haben" sowie "zu Sittenlosigkeit und Prostitution aufgerufen zu haben". Die Strafe wurde auf umgerechnet $135.000 festgesetzt.

In einem Bericht vom 26. Februar 2018 hält Amnesty International fest, dass seit dem Dezember 2017 alleine in Teheran 35 Frauen verhaftet und in der Gefangenschaft misshandelt wurden aufgrund der Teilnahme an Protesten gegen den Kopftuchzwang.

In einem offen Brief an die EU-Außenministerin Federica Mogherini mit Datum des 20. Februars 2018 verlangen 45 Mitglieder des Europäischen Parlaments eine offizielle Stellungnahme gegenüber dem Iran mit der Forderung der sofortigen und bedingungslosen Freilassung der verhaftenen Frauen. Der offene Brief wurde am 28. Februar 2018 über das Büro der Europaabgeordneten Marietje Schaake verschickt.

Am 8. März 2018, anlässlich des Weltfrauentags, versuchten mindestens hundert Frauen und Männer sich vor dem Arbeitsministerium in Teheran zu Protesten zu versammeln. Die Versammlung wurde sofort aufgelöst. Mindestens 84 Personen 59 Frauen und 25 Männer wurden in Polizeigewahrsam genommen und mit bereit stehenden Polizeifahrzeugen ins Gefängnis transportiert.

Am 7. März 2018 ließ der Oberstaatsanwalt von Teheran, Abbas Jafari Dolatabadi, ohne Nennung eines konkreten Namens verlautbaren, dass eine Frau zu zwei Jahren Haft verurteilt worden sei, weil sie im Dezember 2017 ihr Kopftuch in der Öffentlichkeit abgelegt hatte. Außerdem kritisierte der Staatsanwalt das richterliche Urteil, weil die Frau drei Monate der Strafe verbüßen müsse und die restliche Strafdauer auf Bewährung ausgesetzt wurde. Er werde sich dafür einsetzen, dass die Frau die gesamte Strafdauer verbüßen müsse. Die Haftdauer von aus politischen Gründen inhaftierten Personen im Iran, wird regelmäßig ohne weitere Begründung verlängert. Nach ersten Befürchtungen, dass es sich bei der Verurteilten um Vida Movahed handle, ist mittlerweile bekannt, dass es sich um Narges Hosseini handelt. Am 26. März 2018 wurde gegen das Urteil Berufung eingelegt. Am 25. März wurde Maryam Shariatmadari zu einem Jahr Gefängnis verurteilt weil sie aus Protest in einer öffentlichen Aktion auf einem Verteilerkasten am 25. Februar 2018 ihr Gesichtstuch abgelegt hatte. Maryam Shariatmadari wurde von einem Polizeibeamten vom Verteilerkasten heruntergestossen und zog sich dabei Verletzungen zu.

                                     

3. Vorgeschichte

Bereits am 12. September 1979, kurz nach Einführung der Scharia, des islamischen Rechtssystems, im Zuge der islamischen Revolution im Iran, entledigte sich die italienische Journalistin Oriana Fallaci während eines Interviews mit Ayatollah Chomeini öffentlich und demonstrativ ihres Kopftuches. Oriana Fallaci beklagte, dass sich die Frauen in einer der Apartheid ähnlichen Situation befänden, dass sie nicht gemeinsam mit Männern studieren, arbeiten oder auch einfach ein Schwimmbad besuchen könnten. Chomeini antwortete, dass sie das nichts anginge und dass sie den Tschador nicht anlegen müsse, falls sie nicht wolle: Die islamische Bekleidung seit etwas für "gute und anständige Frauen". Oriana Fallaci bedankte sich zuerst artig und riss sich dann den Tschador, mit der Bemerkung "dieser dumme, mittelalterliche Lumpen" vom Kopf. Das Interview wurde vorzeitig abgebrochen.

Seit längerer Zeit weigern sich, vor allem in Theran, immer mehr Frauen ein Kopftuch während dem Autofahren zu tragen mit dem Argument, dass das Auto einen Privatraum darstelle, in dem offenere Bekleidungsregeln gelten. Das Anliegen wurde in den letzten Jahren unter anderem über die Online-Bewegung My Stealthy Freedom der Journalistin Masih Alinejad über Facebook thematisiert. Auf dieser Facebook-Seite können iranische Frauen Fotos von sich ohne Kopftuch veröffentlichen. Masih Alinejad hat auch die Kampagne "White Wednesdays" gegründet, bei der Frauen aufgerufen werden jeweils mittwochs ein weißes Kopftuch zu tragen und es öffentlich aus Protest auszuziehen. Die symbolische Aktion von Vida Movahed vom 27. Dezember 2017 fand ebenfalls an einem Mittwoch statt und sie schwenkte ein weißes Kopftuch.

Im Dezember 2017 kündigte Teherans Polizeichef, Hossein Rahimi, an, dass seine Behörde keine Verhaftungen wegen Verstößen von Frauen gegen die islamische Bekleidungsvorschriften mehr vornehmen werde. Nachdem zahlreiche Frauen in öffentlichen Protestaktionen sich des Hidschabs entledigten, ließ Hossein Rahimi allerdings verkünden, dass die Polizei dieses Verhalten nicht tolerieren werde.

Gemäß einem am 4. Februar 2018 durch das Büro von Staatspräsident Hassan Rohani veröffentlichten Bericht aus dem Jahr 2014 betrachten rund die Hälfte der Iranerinnen das Tragen eines Kopftuches als Privatsache und lehnen die Vorschriften des Staates zum zwangsweisen Tragen eines Kopftuches ab. Hassan Rohani vertritt die Ansicht, dass die Islamische Republik nur durch Reformen und nicht durch das strenge Wahren von Prinzipien erhalten werden kann. Ebenfalls am 4. Februar ließ Gholamhossein Mohseni-Eschei, Minister für den Geheimdienst verlautbaren, dass ein Teil der Demonstrantinnen Synthetische Drogen konsumiert haben sollen. Er hielt ebenfalls fest, dass falls sich erweisen sollte, dass die Proteste organisiert waren, das Strafmaß ein viel höheres wäre.

Vida Movaheds Aktion hat den Anliegen der Frauenrechte auf dem Hintergrund des seit längerer Zeit ausgetragenen Kulturkampfes im Iran neue Dynamik verliehen.



                                     

4. Aktuelle Gesetzgebung

Unter der aktuellen islamischen Gesetzgebung des Irans die mit der Islamischen Revolution von 1979 eingeführt wurde, müssen Frauen ab neun Jahren ein Kopftuch und arm- und beinbedeckende Kleider tragen. Verstöße werden mit Gefängnisstrafen bis zu 2 Monaten, mit Geldstrafen bis 500.000 Rials ca. 10 € oder Schlägen geahndet. Die gängige Parole dazu lautet "Ya rusari ya tusari" "Entweder Tuch oder Schläge".

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