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ⓘ Evangelium der Wahrheit



Evangelium der Wahrheit
                                     

ⓘ Evangelium der Wahrheit

Das Evangelium der Wahrheit ist ein gnostischer Text in koptischer Sprache, wahrscheinlich aus dem 2. Jahrhundert. Es ist Teil der Nag-Hammadi-Schriften. Dort ist es als dritte Schrift des 1. Kodex überliefert und Teile davon in Kodex XII. Irenäus von Lyon erwähnt ein Evangelium dieses Namens. Ob es sich um dasselbe handelt, ist offen.

                                     

1. Name und Gattung

Die Schrift trägt keinen ausdrücklichen Titel; antikem Brauch entsprechend wurden die ersten beiden Worte "Das Evangelium der Wahrheit ist ein Frohlocken." als Titel genommen. Von der Gattung her ist es kein Evangelium, sondern ein predigtähnlicher Text mit belehrenden und ermahnenden Abschnitten.

                                     

2. Datierung

Die Begriffe und Anklänge an die valentinianische Gnosis legen eine Identifizierung als das bei Irenäus Adversus haereses III 1.9 erwähnte "Evangelium der Wahrheit" nahe. In diesem Fall wäre der Text um 150 n. Chr. entstanden. Einige "judenchristliche Reste" p. 19.9f. sprechen für eine frühere Entstehung.

                                     

3. Inhalt

  • Rolle des Erlösers, Offenbarung der Gnosis als Buch
  • Entstehung des Irrtums aus der Suche der göttlichen Welt nach "dem Ursprung" mangels klarer Erkenntnis des Vaters; Entstehung der materiellen Welt durch den Irrtum als Ersatz für die wahre Wirklichkeit p. 17.4-18.3
  • Rückkehr in die Ruhe im Vater
  • Einleitung: Ursprung, Ort und Bedeutung des Wortes, das vom "himmlischen Vater" hervorgegangen ist p. 16.31-17.3
  • Folgen der Offenbarung
  • Entstehung der "Einsicht" Gnosis aus dem Vater p. 18.4
                                     

4. Wichtige Aussagen

  • "Verachtet den Irrtum! Weil er so entstand, hat er keine Wurzel. Er entstand in einem Nebel, weil man den Vater nicht klar erkennen konnte." S. 17
  • "Wer aber bis zuletzt ohne Einsicht ist, der ist ein Geschöpf des Vergessens, und er wird mit dem Vergessen zusammen vergehen." S. 21
  • "Der Name Evangelium bedeutet: Hier wird den Menschen Hoffnung geoffenbart. Hier können alle, die suchen, das finden, was sie suchen." S. 17
  • "Wenn man daher den Vater kennenlernt, dann wird von da an das Vergessen nicht mehr bestehen können. Dies ist das Evangelium Gottes, nach dem die Menschen suchen. / Jesus Christus hat es geoffenbart. Er ist das verborgene Geheimnis." S. 18
  • "Der Irrtum beschäftigte sich mit Macht damit, einen schönen Ersatz für die wahre Wirklichkeit zu schaffen: die sichtbare Welt." S. 17
                                     

5. Ausgaben

  • Hans-Josef Klauck: Apokryphe Evangelien, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2002, ISBN 3-460-33022-8, S. 177–188.
  • James M. Robinson Hrsg.: Nag Hammadi Studies NHS. Brill, Leiden 1948ff. ISSN 0169-7749 S. 37–49. koptisch und englische Übersetzung
  • Uwe-Karsten Plisch: Was nicht in der Bibel steht. Apokryphe Schriften des frühen Christentums. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2006, ISBN 3-438-06036-1.
  • Klaus Berger, Christiane Nord: Das Neue Testament und frühchristliche Schriften. Frankfurt 1999, S. 1050–1067. Einleitung und deutsche Übersetzung
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