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ⓘ James George Frazer



James George Frazer
                                     

ⓘ James George Frazer

Sir James George Frazer war ein schottischer Ethnologe und Klassischer Philologe. Er gilt neben Edward B. Tylor und Émile Durkheim als Mitbegründer der Religionsethnologie.

                                     

1. Leben

Frazer war der Sohn des Apothekers Daniel Frazer und seiner Ehefrau Katherine, beides Mitglieder der Free Church of Scotland. Er besuchte die Schule in Helensburgh und studierte ab 1869 an der Universität Glasgow, wo er seine Liebe zur klassischen Philologie entdeckte, sowie ab 1874 am Trinity College in Cambridge, wo er 1878 mit einer erst 1930 veröffentlichten Arbeit über die Platonische Ideenlehre promovierte. Anschließend studierte er Jura am Middle Temple ohne je zu praktizieren.

Bis auf einen kurzen Aufenthalt an der Universität Liverpool 1907–1908 arbeitete er zeit seines Lebens am Trinity College, wo er 1879 ein Stipendium erhielt, das 1885, 1890, 1895 und schließlich lebenslang verlängert wurde. Im Winter 1883/84 lernte er William Robertson Smith kennen, der ihn zur Mitarbeit an der Encyclopaedia Britannica einlud. Frazer verfasste die Artikel Tabu und Totemismus, zwei Begriffe, um die sein Werk immer wieder kreisen sollte. 1886 heiratete er die aus Frankreich stammende Witwe Elizabeth Grove, die zwei Töchter in die Ehe brachte. Im Laufe ihres Ehelebens übersetzte sie Frazers Werke ins Französische und setzte sich unermüdlich für die öffentliche Anerkennung der wissenschaftlichen Leistung ihres Ehemanns ein.

Die dritte Fassung von Frazers Goldenem Zweig 1928 wurde ein überraschender Verkaufserfolg, der ihn von seinen bisherigen materiellen Sorgen befreite. Nach wiederholt auftretenden Augenbeschwerden erblindete Frazer 1931 vollständig. So war er auf die Hilfe von Sekretären angewiesen, von denen Robert Angus Downie noch zu seinen Lebzeiten seine erste Biografie schrieb. Als er schließlich am 7. Mai 1941 starb, verschied auch seine Frau nur wenige Stunden nach ihm. Er ist zusammen mit seiner Frau auf dem Ascension Parish Burial Ground in Cambridge begraben.

                                     

2. Auszeichnungen

Frazer empfing zahlreiche Ehrungen. 1914 wurde er zum Knight Bachelor erhoben, 1920 wurde ihm zu Ehren die Sir James George Frazer Memorial Lectureship in Social Anthropology an den Universitäten Oxford, Cambridge, Glasgow und Liverpool eingerichtet. 1910 wurde er zum Ehrenmitglied Honorary Fellow der Royal Society of Edinburgh gewählt. Er war korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts ab 1901, der Preußischen Akademie der Wissenschaften ab 1911 und der Königlich-Niederländischen Akademie der Wissenschaften.

                                     

3. Werk

Frazer erforschte die religionsgeschichtlichen und volkskundlichen Hintergründe antiker Texte. Sein Interesse bestand, dem damaligen wissenschaftlichen Paradigma entsprechend, hauptsächlich in der Erforschung evolutionärer Prozesse, so dass er die hinter antiken Quellen liegenden "primitiven" d. h. "ursprünglichen" Anschauungen und Riten durch Analogieschlüsse sichtbar machen wollte.

Frazers Religionsbegriff war reduktionistisch, da er Religion als defiziente Weltanschauung verstand, die auf einer falschen kognitiven Perspektive beruhe und den aus Furcht entstandenen Versuch darstelle, das bedrohte Überleben zu sichern.

Im Bereich der Ethnologie versuchte Frazer, Antriebe und Motive der so genannten "Wilden" durch vergleichende Methoden zu erkennen. Dabei postulierte er die Fähigkeit, unterscheiden zu können, ob eine gegebene Motivation tatsächlich ausschlaggebend für das Motiv oder nur unbewusst vorgeschoben ist, und die wahre Motivation dahinter benennen zu können. Durch seine Forschungen trug Frazer wesentlich zur Anerkennung der Ethnologie als Wissenschaft bei.

Frazer versuchte in seinem Hauptwerk Der goldene Zweig The Golden Bough die griechische und römische Religionsgeschichte durch eine vergleichende Methode im Sinne Edward Tylors und der durch die Volkskunde erbrachten Forschungen zu verbinden, von denen Mannhardts Werk "Wald- und Feldkulte" ihn am stärksten beeinflusste. Er kommt zu dem Schluss, dass die Evolution des menschlichen Geistes eine Höherentwicklung von Magie zu Religion und schließlich zur Wissenschaft darstelle. Magie ist demnach der Versuch, die dem Menschen bedrohliche Umwelt zu kontrollieren und zu seinen Gunsten zu beeinflussen, und hieraus entspringe die Erkenntnis übernatürlicher Mächte, deren Wohlwollen es durch die Religion zu erreichen gelte. Besonders in seinem Vorwort zur dritten Auflage von 1928, das in der weitverbreiteten, gekürzten deutschsprachigen Ausgabe fehlt, zeigte sich Frazer als kämpferischer Religionskritiker, der es für unausweichlich hielt, die Grundlagen der Glaubensvorstellungen zu erschüttern.

Seine sendungsbewusste evolutionistische Auffassung wird jedoch heutzutage in den entsprechenden Wissenschaften nicht mehr vertreten, da zum einen der Wissenschaft nicht mehr unbedingt Sinnstiftung zugesprochen wird, zum anderen Magie und Religion vielfach vermengt sind und darüber hinausgehend Frazer von einer Leistung einzelner herausragender Individuen ausgeht und die soziologische Perspektive ablehnt. Frazers opus magnum diente zahlreichen Künstlern als Inspirationsquelle, etwa den Surrealisten Max Ernst und Wolfgang Paalen.

Frazers Werk Totemismus und Exogamie stellte zum ersten Mal in der Geschichte der Ethnologie sämtliche ethnographischen Daten zum Thema Exogamie zusammen und gilt trotz der Kritik an den Frazerschen Schlussfolgerungen als bedeutendes Werk. Zu seinen Anfängen als klassischer Philologe kehrte Frazer noch einmal zurück, als er 1929 Ovids Fasti herausgab und kommentierte. in diesem allgemein anerkannten fünfbändigen Werk hielt sich Frazer relativ eng an die zu erläuternden Texte und verzichtete auf evolutionistische Ansätze.



                                     

4. Schriften

  • The Magic Art and the Evolution of Kings 2 Teile Bd. 1 Bd. 2
  • Totemism 1887
  • The Golden Bough. A study in magic and religion. "Der Goldene Zweig"
  • The Scapegoat Digitalisat
  • Taboo and the Perils of the Soul Digitalisat
  • The Dying God Digitalisat
  • Spirits of the Corn and of the Wild 2 Teile Bd. 1 Bd. 2
  • Bibliography and General Index Digitalisat
  • Balder the Beautiful. The Fire-Festivals of Europe and the Doctrine of the External Soul 2 Teile Bd. 1 Bd. 2
  • Aftermath Supplement, 1936 Digitalisat
  • The Golden Bough, First Edition 1890, in 2 Bänden Ausgabe von 1894: Bd. 1 Bd. 2
  • Description of Greece 1897ff.; englische Übersetzung des Werkes von Pausanias mit Kommentar; Bd. 1 Bd. 2 Bd. 3 Bd. 4 Bd. 5 Bd. 6
  • The Golden Bough, Third Edition London 1907–1915, in 12 Bänden, im Einzelnen
  • Pausanias, and other Greek sketches 1900; Digitalisat
  • The Golden Bough, Second Edition 1900, in 6 Bänden
  • Adonis, Attis, Osiris. Studies in the History of Oriental Religion 2 Teile Bd. 1 Bd. 2
  • The Golden Bough. Abridged Edition 1922, 1 Band. Online Deutsche Ausgabe: Der goldene Zweig. Das Geheimnis von Glauben und Sitten der Völker. Hirschfeld, Leipzig 1928; Neudrucke: Kiepenheuer und Witsch, Köln/Berlin 1968; Ullstein, Frankfurt 1977; Rowohlt, Reinbek 1989
  • The Belief among the Polynesians 1922
  • The Belief among the Aboriginees of Australia, the Torres Straits Islands, New Guinea and Melanesia 1913
  • Totemism and Exogamy 1910
  • The Belief in Immortality and the Worship of the Dead 1913–1924, 3 Bände, im Einzelnen
  • im Vorwort zu Band 3 wurde ein vierter Band zu Indonesien angekündigt
  • The Belief among the Micronesians 1924
  • Creation and Evolution in Primitive Cosmogonies 1935
  • Man, God, and Immortality 1927. Deutsche Ausgabe: Mensch, Gott und Unsterblichkeit: Gedanken über den menschlichen Fortschritt. Hirschfeld, Leipzig 1932
  • Folk-Lore in the Old Testament: Studies in Comparative Religion, Legend and Law 1919; Digitalisat. Deutsche Ausgabe: Die Arche: Biblische Geschichten im Lichte der Völkerkunde. Köhler, Stuttgart 1960
  • The Fear of the Dead in Primitive Religion 1933–1936
  • Garnered Sheaves 1931
  • The Gorgons Head and other Literary Pieces 1927
  • The Worship of Nature 1926 Gifford Lectures 1923–1925
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