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ⓘ Zen



Zen
                                     

ⓘ Zen

Zen-Buddhismus oder Zen ist eine in China ab etwa dem 5. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung entstandene Strömung oder Linie des Mahayana-Buddhismus, die wesentlich vom Daoismus beeinflusst wurde. Der chinesische Begriff Chan stammt von dem Sanskritwort Dhyana, das als Chan’na ins Chinesische übertragen wurde. Dhyana bedeutet so viel wie "Zustand meditativer Versenkung", was auf das grundlegende Charakteristikum dieser buddhistischen Strömung verweist, die daher auch als Meditations-Buddhismus bezeichnet wird.

Der Chan-Buddhismus verbreitete sich über Mönche in die Anrainer Chinas. Es entstanden eine koreanische Seon, korean. 선 und eine vietnamesische Thiền Tradition.

Ab dem 12. Jahrhundert gelangte Chan nach Japan und erhielt dort als Zen eine neue Ausprägung. Diese gelangte in der Neuzeit in wiederum neuer Interpretation in den Westen. Die in Europa und den USA verwendete Terminologie zum Zen stammt daher zum großen Teil aus dem Japanischen. Aber auch koreanische, vietnamesische und chinesische Schulen erlangten in jüngerer Zeit Einfluss im westlichen Kulturkreis.

                                     

1. Selbstverständnis

Der Zen-Buddhismus lässt sich seit der Song-Zeit durch die Zeilen charakterisieren:

Die vier Verse wurden gemeinsam als Strophe erstmals 1108 in dem Werk Zǔtíng Shìyuàn 祖庭事苑 von Mùān Shànqīng 睦庵善卿 Bodhidharma zugeschrieben. Einzeln oder in verschiedenen Kombinationen tauchten die Zeilen bereits früher im chinesischen Mahayana-Buddhismus auf. Die Zuschreibung an die legendenumwobene Gründerfigur sieht man heute als Festlegung des Selbstverständnisses nach einer Phase des Richtungsstreites.

Der vierte Vers liest sich auf Japanisch als "kenshō jōbutsu" 見性成佛. Die programmatische Aussage gilt als charakteristisch für Chan/Zen, erscheint erstmals aber bereits früher um 500 in einem Kommentar 大般涅槃經集解 zum Nirvana-Sutra.

                                     

2. Lehre

Oft wird gesagt, dass Zen "nichts" biete: keine Lehre, kein Geheimnis, keine Antworten. In einem Kōan 公案 spricht der Zen-Meister Ikkyū Sōjun 一休宗純 zu einem Verzweifelten:

Es bedeutet, das Leben zu leben – in seiner ganzen Fülle. Der unmittelbare Zugang zu diesem Einfachsten von allem ist dem Verstandeswesen Mensch jedoch versperrt – es scheint so, als ob die niemals schweigende Stimme der Gedanken ihn durch hartnäckige Ideen und urteilende Vorstellungen blockiere. Die Anhaftung an die Illusion eines Ich jedes Einzelnen verursacht immer wieder nur neues Leiden Dukkha. Zen kann diese Verwirrung lösen – zuletzt vermag man sogar zu essen, wenn man hungrig ist, zu schlafen, wenn man müde ist. Zen ist nichts Besonderes. Es hat kein Ziel.

Die Charakterisierung, Zen biete "nichts", wird gerne von Zen-Meistern gegenüber ihren Schülern geäußert, um ihnen die Illusion zu nehmen, Zen biete erwerbbares Wissen oder könne etwas "Nützliches" sein. Auf einer anderen Ebene wird scheinbar auch das Gegenteil behauptet: Zen biete das "ganze Universum", da es die Aufhebung der Trennung von Innenwelt und Außenwelt, also "alles", beinhalte.

Zen entzieht sich der "Vernunft" und wird oft als "irrational" empfunden, auch weil es sich grundsätzlich jeder begrifflichen Bestimmung widersetzt. Das scheinbar Mysteriöse des Zen rührt jedoch allein aus den Paradoxa, die der Versuch des Sprechens über Zen hervorbringt. Zen zielt immer auf die Erfahrung und das Handeln im gegenwärtigen Augenblick, und umfasst auf diese Weise Gefühl, Denken, Empfinden usw.

Zen besitzt aber auch philosophisch-religiöse Aspekte und historisch gewachsene Lehren, etwa in der Sōtō- bzw. Rinzai-Schule. Diese kann man – wenn sie auch zur subjektiven Erfahrung des Zen nicht unbedingt notwendig sind – selbstverständlich mit Worten beschreiben.

                                     

3. Praxis

Die Praxis besteht zum einen aus Zazen von jap.: Za-, dem Sitzen in Versunkenheit auf einem Kissen. In der äußeren Haltung sind dabei die Beine ineinander geschlagen wie beim Lotussitz im Yoga. Der Rücken ist gerade, aber vollkommen entspannt, und die Hände sind entspannt ineinander gelegt, wobei sich die Daumenspitzen leicht berühren. Die Augen bleiben halb geöffnet, der Blick bleibt entspannt ohne Umherschweifen zum Boden gesenkt. Für Anfänger werden auch einfachere Sitzweisen empfohlen, etwa der halbe Lotossitz Hanka-Fuza, der sogenannte Burmesische Sitz oder der Fersensitz Seiza.

Ein anderer, ebenso wichtiger Teil der Zen-Praxis besteht aus der Konzentration auf den Alltag. Dies bedeutet einfach nur, dass man sich auf die Aktivität, die man gerade in diesem Augenblick ausübt, vollkommen konzentriert, ohne dabei irgendwelchen Gedanken nachzugehen. Beide Übungen ergänzen einander und sind dazu gedacht, den Geist zu beruhigen bzw. die "Gedankenflut", welche einen durchgehend überkommt, einzudämmen.



                                     

3.1. Praxis Primat der Praxis

Zen ist der weglose Weg, das torlose Tor. Die dem Zen zugrundeliegende große Weisheit Prajna braucht gemäß der Lehre nicht gesucht zu werden, sie ist immer schon da. Vermöchten die Suchenden einfach nur ihre permanenten Anstrengungen aufzugeben, die Illusion der Existenz eines "Ich" aufrechtzuerhalten, würde sich Prajna unmittelbar einstellen.

Realistisch gesehen ist das Beschreiten des Zen-Weges jedoch eines der schwierigeren Dinge, die in einem menschlichen Leben unternommen werden können. Den Schülern wird die Bereitschaft zur Aufgabe ihres selbstbezogenen Denkens und letztlich des Selbst abverlangt. So dauert der Übungsweg gewöhnlich mehrere Jahre, bevor die ersten Schwierigkeiten überwunden sind. Dabei behilflich sind die Rōshi genannten Lehrmeister. Der Weg ist allerdings stets zugleich auch das Ziel; im Üben ist die Erfüllung stets gegenwärtig.

Primäre Aufgabe des Schülers ist die fortgesetzte, vollständige und bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments, eine vollständige Achtsamkeit ohne eigene urteilende Beteiligung Samadhi. Diesen Zustand soll er nicht nur während der Meditation, sondern möglichst in jedem Augenblick seines Lebens beibehalten.

Auf diese Weise kann sich die Erkenntnis der absoluten Realität einstellen Satori. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird aufgehoben; die Kontingenz der eigenen Existenz, das In-die-Welt-geworfen-Sein kann angenommen werden. Vollkommene innere Befreiung ist die Folge: Es gibt nichts zu erreichen, nichts zu tun und nichts zu besitzen.

                                     

3.2. Praxis Methoden

Mit der Zeit haben Zen-Meister verschiedene Techniken entwickelt, die den Schülern Hilfen bieten und Fehlentwicklungen vorbeugen sollen. Die Schulung der Aufmerksamkeit und der absichtslosen Selbstbeobachtung stehen dabei an erster Stelle; daneben wird das verstörende diskursive Denken an einen Endpunkt gebracht. Im eigentlichen Sinne gelehrt werden kann Zen nicht. Es können nur die Voraussetzungen für spontane, intuitive Einsichten verbessert werden.

Zu den gebräuchlichen Methoden der Zen-Praxis gehören Zazen Sitzmeditation, Kinhin Gehmeditation, Rezitation Textlesungen, Samu konzentriertes Tätigsein und das Arbeiten mit Kōan genannten Fragen. Besonders intensiv werden diese Methoden während mehrtägiger Übungsperioden oder Klausuren Sesshin bzw. Retreat geübt. Der Schüler muss zumindest die Sitzmeditation in sein alltägliches Leben integrieren, denn Zen ist seinem Wesen nach stets nur Praxis.

                                     

3.3. Praxis Ziele

Indem während des Übens die Flut der Gedanken zur Ruhe kommt, wird das Erleben von Stille und Leere, Shunyata, möglich.

Vor allem im Rinzai-Zen wird die mystische Erfahrung der Erleuchtung Satori, Kenshō, ein oft plötzlich eintretendes Erleben universeller Einheit, d. h. die Aufhebung des Subjekt-Objekt-Gegensatzes, zum zentralen Thema. In diesem Zusammenhang ist oft von "Erwachen" und "Erleuchtung" pali/sanskrit: Bodhi, vom "Buddha-Werden", oder der Verwirklichung der eigenen "Buddha-Natur" die Rede. Diese Erfahrung der Nicht-Dualität ist der sprachlichen Kommunikation kaum zugänglich und kann auch einer Person ohne vergleichbare Erfahrung nicht vermittelt werden. In der Regel wird darüber nur mit dem Zen-Lehrer gesprochen.

Im Sōtō-Zen tritt die Erleuchtungserfahrung völlig in den Hintergrund. Zum zentralen Begriff von Zen-Praxis wird Shikantaza, "einfach nur sitzen", d. h. die absichtslose, nicht auswählende Aufmerksamkeit des Geistes in Zazen, ohne einem Gedanken zu folgen oder ihn zu verdrängen. Zazen wird im Sōtō also nicht als Mittel zum Zweck der Erleuchtungssuche verstanden, sondern ist selbst Ziel und Endpunkt, was nicht bedeutet, dass während des Zazen oder anderen Tätigkeiten kein Erleuchtungszustand auftreten kann oder darf. Das große Kōan des Sōtō-Zen ist die Zazen-Haltung selbst. Zur Verwirklichung dieses absichtslosen Sitzens zentral ist Hishiryō, das Nicht-Denken, d. h. das Hinausgehen über das gewöhnliche, kategorisierende Denken. Dōgen schreibt im Shōbōgenzō Genjokoan dazu folgende Passage:



                                     

4. Geschichte

Das Zen, wie wir es heute kennen, ist von vielen Kulturen über anderthalb Jahrtausende beeinflusst und bereichert worden. Seine Anfänge sind im China des 6. Jahrhunderts zu suchen, obwohl seine Wurzeln wahrscheinlich weiter zurückreichen und Einflüsse anderer buddhistischer Schulen ebenfalls vorhanden sind. Nachdem Bodhidharma der Legende nach im 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die Lehre des Meditationsbuddhismus nach China brachte, wo er zum Chan-Buddhismus wurde, flossen Elemente des Daoismus und Konfuzianismus/Neokonfuzianismus ein. Eine Vielzahl von Schriften mit Gedichten, Anweisungen, Gesprächen und Kōans stammt aus dieser Zeit. Aus diesem Grunde findet man viele Begriffe und Personennamen heute sowohl in chinesischer, als auch in japanischer Aussprache. Die Überbringung der Lehre durch Eisai und Dōgen nach Japan im 12. und 13. Jahrhundert hat wiederum zur Wandlung des Zen beigetragen, durch generelle japanische Einflüsse, aber auch mikkyō und lokale Religionen.

Im 19. und insbesondere im 20. Jahrhundert machten die Zen-Schulen in Japan rasante Veränderungen durch. Dabei wurde von Laien eine neue Form des Zen begründet. Diese erreichte Europa und Amerika und wurde ebenfalls inkulturiert und erweitert. Seit dem 20. Jahrhundert wendeten sich selbst einige christliche Mönche und Laien der Meditation und dem Zen zu, wodurch, zum Teil getragen durch autorisierte Zen-Lehrer, die dem Christentum verbunden blieben, das sogenannte "Christliche Zen" entstand.

                                     

4.1. Geschichte Ursprung

Der Legende nach soll der historische Buddha Siddhartha Gautama nach der berühmten Predigt auf dem Geierberg eine Schar von Jüngern um sich versammelt haben, die seine Darlegung des Dharma hören wollten. Statt zu reden hielt er schweigend eine Blüte in die Höhe. Nur sein Schüler Mahakashyapa verstand diese Geste unmittelbar als zentralen Punkt der Lehre Buddhas und lächelte. Er war plötzlich zur Erleuchtung gekommen. Damit ist angeblich die erste Übertragung der wortlosen Lehre von Herz-Geist zu Herz-Geist jap. Ishin Denshin erfolgt.

Da diese Einsicht des Kāshyapa nicht schriftlich zu fixieren ist, erfolgt die Übermittlung seitdem persönlich von Lehrer zu Schüler. Man spricht dabei von sogenannten Dharma-Linien d. h. in etwa: Lehr-Richtungen.

Diese unmittelbare Überlieferung setzte sich der Legende nach fort über 27 indische Meister bis zu Bodhidharma, der die Lehre nach China gebracht haben soll und so zum ersten Patriarchen des Chan wurde.

  • Dàjiàn Huìnéng 大鑒慧能, jap. Daikan Enō 638–713
  • Dàyī Dàoxìn 大毉道信, jap. Daii Dōshin 580–651
  • Bodhidharma * um 440 bis 528
  • Dàzǔ Huìkě 太祖慧可, jap. Daiso Eka 487–593
  • Jiànzhì Sēngcàn 鑑智僧燦, jap. Kanchi Sōsan *? bis 606
  • Dàmǎn Hóngrěn 大滿弘忍, jap. Daiman Konin 601–674

Nach dem 6. Patriarchen teilt sich die Linie in verschiedene Schulen auf. Für das China der Zeit um 950 spricht man von den 5 Häusern:

  • Guiyang chin. 潙仰 jap. Igyō
  • Yunmen 雲門 jap. Ummon
  • Caodong 曹洞 jap. Sōtō von Dōgen Zenji nach Japan gebracht
  • Fayan 法眼 jap. Hōgen
  • Linji Yixuan 臨済 jap. Rinzai von Eisai Zenji nach Japan gebracht

In der Folge entstanden bis in die Gegenwart weitere Schulen, darunter die drei noch heute existierenden Zen-Schulen Japans:

  • Rinzai-shū
  • Ōbaku-shū
  • Sōtō-shū

und die moderne:

  • Sanbō Kyōdan
                                     

4.2. Geschichte Japan

Trotz der großen Bedeutung des Zen Chan in China und der Regierungsnähe vieler dortiger Klöster wurde in der Nara-Zeit 710–794 keine Zen-Traditionslinie als Schule nach Japan gebracht. Spätere Versuche blieben bis in das 12. Jahrhundert historisch folgenlos.

Bereits in der Nara-Zeit taucht der Begriff Zenji Zenmeister in den ersten Schriften auf: Er beschreibt meist von der kaiserlichen Regierung nicht autorisierte, nicht offiziell ordinierte Praktizierende von buddhistischen Ritualen. Man glaubte, durch diese Rituale erlangten die Praktizierenden große, aber ambivalente Kräfte.

Ab der Kamakura-Zeit konnte Zen Fuß fassen und es bildeten sich die Hauptschulen Sōtō, Rinzai und Ōbaku heraus.

Nach der Meiji-Restauration wurde der Buddhismus in Japan kurz verfolgt und von der neuen Politik zugunsten eines renativistischen Shintō als Religion der Machthabenden aufgegeben. In den Zeiten des immer rasanteren gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Wandels kam der shin-bukkyō, der neue Buddhismus, auf, der z. B. sozial tätig wurde. Die Abgeschlossenheit der Klöster lockerte sich ebenfalls, so wurden Laiengruppen in zazen und der Lehre des Zen unterrichtet.

                                     

4.3. Geschichte Moderne

Daisetz Teitaro Suzuki wurde zu einem wichtigen japanischen Autor von Büchern über den Zen-Buddhismus in moderner Form. Nach Abschluss seiner Zen-Studien 1897 folgte Suzuki dem Ruf von Paul Carus nach Amerika und wurde dessen persönlicher Assistent. In den 1960er Jahren hatte Daisetz Teitaro Suzuki über seinen Schüler Alan Watts und durch Charlotte Selver einen Einfluss auf die humanistische Bewegung am Esalen-Institut Human Potential Movement, Claudio Naranjo. Ebenso lernte Philip Kapleau zunächst bei Suzuki, legte aber später entschieden mehr Wert auf Zen-Praxis.

1958 ging der Japaner Suzuki Shunryū in die USA nach San Francisco und übernahm die Leitung der dortigen japanischen Sōtō-Gemeinde. Er gründete das erste Zen-Kloster außerhalb Asiens. Ein vielbeachtetes Buch war Zen-Geist – Anfänger-Geist.

                                     

5. Zen im Westen

In der Neuzeit ist die Verbreitung des Zen in Japan zurückgegangen, jedoch wächst die Zahl der Anhänger in der westlichen Welt. Es entstanden "in den USA, Deutschland und der Schweiz Zen-Kurse für Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik". Der Religionswissenschaftler Michael von Brück beobachtet: "Zen im Westen ist in einem kreativen Aufbruch begriffen, der vielgestaltig ist und offene organisatorische Konturen erkennen lässt".

Im 20. Jahrhundert begann ein reger Austausch zwischen östlichem Zen und dem Westen. 1948 veröffentlichte der deutsche Philosoph Eugen Herrigel seinen Bestseller Zen in der Kunst des Bogenschießens, einen Klassiker der westlichen Zen-Literatur mit hohen Auflagen im 20. Jahrhundert. 1956 erschien das Werk sogar auf japanisch. Viele Intellektuelle im Deutschland der Nachkriegszeit waren nach der Lektüre dieser Schrift "vom Zen fasziniert". Karlfried Graf Dürckheim, zwischen 1939 und 1945 in Japan tätig, hat als Psychologe, Therapeut und Zen-Lehrer die Verbindung von Zen und Kunst gefördert. Ähnliche Brücken zwischen Therapie und Zen regte Maria Hippius Gräfin Dürckheim an.



                                     

5.1. Zen im Westen Zen in Verbindung mit den Kirchen

Begünstigt durch fehlenden Dogmatismus gibt es auch Verbindungen zur katholischen Kirche. Vermittler als Ordensleute, Priester, Professoren und Theologen sind u. a.:

  • Josef Sudbrack 1925–2010, SJ
  • Stefan Bauberger * 1960, SJ
  • Niklaus Brantschen * 1937, SJ
  • Jakobus Kaffanke * 1949, OSB
  • Willi Massa 1931–2001, SVD
  • Peter Lengsfeld 1930–2009, Chô-un-Ken Roshi
  • Hugo Makibi Enomiya-Lassalle 1898–1990, SJ
  • Johannes Kopp 1927–2016, SAC, Ho-un-Ken Roshi
  • Willigis Jäger * 1925, OSB, Ko-un Roshi
  • Pia Gyger 1940–2014, Mitgründerin des Lassalle-Instituts innerhalb des Lassalle-Hauses in Bad Schönbrunn

Aber auch die Verbindung von evangelischer Theologie und Zen ist seit der Jahrtausendwende zu beobachten. Dafür steht u. a.:

  • Doris Zölls * 1954, mit dem Zen-Namen Myô-en An, Pfarrerin und Zen-Meisterin der Zenlinie Leere Wolke.

Hintergrund dieser Begegnung war die Erkenntnis, die Hans Waldenfels 1979 so formulierte: "Zenbuddhismus und Christentum stehen sich religionsgeschichtlich gesehen als zwei Weisen der Verwirklichung einer gemeinsamen religiösen Grunderfahrung gegenüber." Für Hans Küng steht Zen "ganz wesentlich unter dem großen Programmwort der Freiheit: Freiheit von sich selbst in Selbstvergessenheit. Freiheit von jedem körperlichen und geistigen Zwang, von jeder Instanz, die sich zwischen den Menschen und seine unmittelbare Erfahrung und Erleuchtung stellen will. Freiheit auch von Buddha, von den heiligen Schriften, Freiheit in letzter Konsequenz auch vom Zen, das Weg, nicht Ziel ist und bleibt. Nur in voller innerer Freiheit kann der Mensch zur Erleuchtung kommen". Von daher ist es für den christlichen Theologen Hans Küng in der Konsequenz keine Überraschung, "wenn auch Christen, die sich von kirchlicher Dogmatik, starren Regeln und geistiger Dressur bis ins Gebetsleben hinein reglementiert vorkommen, solch inhaltsfreies Denken, solche objektlose Meditation, solche beglückend erfahrene Leere als wahre Befreiung empfinden. Hier finden sie innere Ruhe, größere Gelassenheit, besseres Selbstverständnis, feinere Sensibilität für die ganze Wirklichkeit".

                                     

5.2. Zen im Westen Lehren und Schulen des Zen im Westen

Zen hat sich im Westen in verschiedenen Schulen verbreitert. Eine wesentliche Herausforderung und Aufgabe der Zenmeister ist es dabei, authentisches Zen in einer für "Westler" entsprechenden Form zu transformieren und weiterzugeben.

                                     

5.3. Zen im Westen Sōtō-Schule

Der japanische Zen-Meister Taisen Deshimaru Rōshi, Schüler des Sōtō-Zen-Meisters Kodo Sawaki Roshi, kam in den sechziger Jahren nach Frankreich, wo er bis zu seinem Tod 1982 Zen lehrte. Er hinterließ eine große Schülerschaft, die bis heute wächst und mit verschiedenen Zen-Organisationen in ganz Europa vertreten ist. Deshimaru gründete 1970 die Gesellschaft Association Zen Internationale AZI.

Brigitte D’Ortschy war die erste deutsche Zen-Meisterin und bekannt unter dem Namen Koun-An Doru Chiko Roshi. Sie gilt als erste westliche Zen-Meisterin mit Schülern aus aller Welt. Ab 1973 hielt sie mit Yamada Koun Roshi die ersten Sesshin in Deutschland und gründete 1975 ihr eigenes Zendo in München-Schwabing, das später nach Grünwald auswich.

Einflussreich auch Bernard Glassman, ein US-Zenmeister, der einer jüdischen Familie entstammt. Glassman ist Initiator und Manager verschiedener Sozialprojekte, u. a. der Zen-Peacemakers, einer Gruppe sozial engagierter Buddhisten.

Ein Vertreter der Sōtō-Schule ist auch der US-Amerikaner und Vietnamveteran Claude AnShin Thomas. Er hat ein Gelübde als Bettel- und Wandermönch abgelegt und lehrt überall dort, wohin er in der Welt eingeladen wird. Er ist der Gründer der Zaltho Foundation in den USA, einer gemeinnützigen Organisation, die sich insbesondere der Versöhnungsarbeit mit Opfern von Krieg und Gewalt widmet. Schwesterorganisation ist die Zaltho Sangha Deutschland. Claude AnShin Thomas studierte mehrere Jahre bei Thích Nhất Hanh und wurde im Jahre 1995 von Bernard Tetsugen Glassman Roshi zum buddhistischen Mönch und Priester in der japanischen Sōtō-Zen-Tradition ordiniert.

Die Sōtō-Zen Schule wird in Deutschland aktuell vertreten u. a. durch Fumon Shōju Nakagawa Roshi und Rev. L. Tenryu Tenbreul, einem ehemaligen Schüler von Taisen Deshimaru. Der Sōtō-Zen Dachverband, das Sōtō-Zen Buddhism Europe Office, wird von Rev. Genshu Imamura geleitet und hat seinen Sitz in Mailand.

                                     

5.4. Zen im Westen Rinzai-Zen

Der japanische Zen-Meister Kyozan Joshu Sasaki, der seit 1962 Zen in den USA lehrt, ist seit 1979 regelmäßig nach Österreich gekommen, um dort Vorträge zu halten und Sesshins durchzuführen. Sein Wirken und das seiner Schüler, allen voran die Aufbauarbeit von Genro Seiun Osho in Wien und Süddeutschland, trugen wesentlich zur Etablierung der Rinzai-Zen Schule im deutschen Sprachraum bei.

Die Österreicherin Irmgard Schlögl ging 1960 nach Japan, um als eine der ersten westlichen Frauen dort authentisches Zen kennenzulernen. 1984 wurde sie schließlich mit dem Namen Myokyo-ni zur Zen-Nonne geweiht. Sie gründete schon 1979 das Zen Centre in London und wirkte fortan sowohl als Übersetzerin wichtiger Zen-Schriften als auch als Zen-Lehrerin. Ein ähnlicher Weg auch bei Gerta Ital aus Deutschland. Als erster westlicher Frau wird es ihr 1963 erlaubt, in einem japanischen Zen-Kloster sieben Monate gleichwertig mit den Mönchen zu leben und zu meditieren. Literarischer Ertrag dieser Zeit wurde ihr Buch: Der Meister die Mönche und ich, eine Frau im Zen-Buddhistischen Kloster, tiefe Eindrücke, die das Bild vom japanischen Zen im Westen prägen sollten. Weitere Publikationen zum Zen von ihr, verbunden mit engagierter Lehrtätigkeit folgten.

Ein Standbein des Rinzai-Zen im 21. Jahrhundert ist das durch den japanischen Zen-Meister Hozumi Gensho Roshi betreute und vom deutschen Zen-Meister Dorin Genpo Zenji bis 2017 geleitete Zen-Zentrum Bodaisan Shoboji in Dinkelscherben, das seit Herbst 2008 offiziell als Zweigtempel des Myōshin-ji, ein Tempel der großen Rinzai-Traditionen in Japan, gilt. Dorin Genpo Zenji betreute bis 2017 darüber hinaus auch die Hakuin-Zen-Gemeinschaft Deutschland e.V.

Shōdō Harada Roshi ist Zen-Meister seit 1982 im Kloster Sōgen-ji in Okayama, wo er hauptsächlich ausländische Schüler unterrichtet. Er hat verschiedene Zentren One Drop Zendo in Europa, Indien und in den USA aufgebaut.

                                     

5.5. Zen im Westen Andere Schulen: chinesische, koreanische und vietnamesische Tradition

Im Westen konzentriert sich Zen nicht nur auf seine japanische Ausprägung. Die chinesischen Chán, koreanischen Seon und vietnamesischen Thiền Traditionen haben dort ebenfalls wichtige Repräsentanten, Anhänger und lebendige Praxis-Gruppen gefunden:

Der koreanische Zen-Meister Seung Sahn gründete 1970 in den USA die Kwan Um Zen Schule, die seitdem dort als auch in Europa zahlreiche Zentren aufgebaut hat, mit dem europäischen Haupttempel in Berlin.

Ein wichtiger zeitgenössischer Dharma-Lehrer ist der Vietnamese Thích Nhất Hanh, der Zen Mahayana mit Elementen des Theravada-Buddhismus Vipassana verknüpft. Er ist "interreligiös ausgerichtet und propagiert ein gewaltfreies Leben in Achtsamkeit, ökologischer Bewußtheit und sozialem Engagement".

                                     

5.6. Zen im Westen "Bindestrich-Zen" und Instrumentalisierung

Unter den kulturellen Einflüssen in den USA und in Europa wird Zen anders als in Japan praktiziert und kann dadurch eine neue z. B. instrumentalisierte Bedeutung erlangen. In solchen Veränderungen sieht Stephan Schuhmacher die Gefahr eines Verfalls von Zen im Westen: "Die noch junge Geschichte des Zen im Westen ist von Guru-Rummel, kommerziellen Interessen, Sektenstreit und manchen Skandalen und Skandälchen überschattet. … Diese Keime des Verfalls finden im Westen ein besonders förderliches Klima". Der Westen rezipiert Zen, "sich im Wesentlichen jeder Verdinglichung entziehenden Tradition", mit einer "Tendenz zur Instrumentalisierung". Zen wird "als bloße Methode missverstanden und als ein Mittel zum Zweck missbraucht".

Die Verzweckung von Zen hat im Westen dabei mehrere Dimensionen:

  • leistungssteigernd: Zen hat konzentrative Energie, die Höchstleistung ermöglicht
  • attraktivitätssteigernd: christliche Kirchen als alte Institutionen erregen wieder neu Aufmerksamkeit für sich durch das Angebot östlicher Meditationswege und die damit verbundene Exotik.
  • therapeutisch: Zen als Allheilmittel gegen Neurosen und Depressionen. Zen wird dann "zu einer Art von geistigem Valium"

Zen als solches genügt dem Westen nicht, Zen reichert sich mit weiteren Zielen dort an. Zen wird im Westen – nach Beobachtung von Koun-An Doru Chiko – geprägt von mancherlei Sekundärzielen. Zen verliert so seinen Eigencharakter und wird auf diesem Wege zum Dies-und-Das-Zen, zum Bindestrich-Zen. Beispiele dafür sind:

  • Wellness-Zen
  • Therapie-Zen
  • Ökologie-Zen.
  • Business-Zen
  • Street-Zen

Besorgt stellt Stephan Schuhmacher deshalb fest: Zen-Zentren des Westens mit ihren Programmen verkommen oft zu einem "spirituellen Club Mediterrané", und fragt: "Wo bleibt das Zen der Patriarchen?" Mit dem "Zen der Patriarchen" ist hier ein Zen gemeint, das die "Essenz", den Geist der Gründerväter bewahrt, ohne ihn durch Sekundärziele sowie persönliche oder institutionelle Interessen zu verwässern und eine Art von "Zen light" zu produzieren, dem es an der tiefgreifenden transformierenden Kraft des Zen der Patriarchen mangelt.

                                     

5.7. Zen im Westen Nacktes, von Buddhismus und äußeren Formen befreites Zen

Willigis Jäger stellt ein Zen, das den religiösen, kulturellen, rituellen Überbau der monastischen ostasiatischen Zen-Schulen in den Westen überträgt, in Frage. Nicht die Rückkehr zum Osten, sondern die konsequente Hinwendung zum Westen in Form von beherzter Inkulturation sieht Jäger als Notwendigkeit und als einzig gangbaren Weg: "Nur das nackte Zen hat im Westen eine Chance. Der Buddhismus dürfte als Religion im Westen kaum an Boden gewinnen, wohl aber Zen. Zen wird sich inkulturieren müssen."

Das bedeutet aber für Jäger die bewusste Abwendung von den monastischen Formen des östlichen Zen und die Hinwendung zu einem westlichen Laien-Zen: "Vieles, was sich im Osten in den Zen-Klöstern als monastische Form entwickelt hat, wird wegfallen. Es kommt zu einem ‚Laien-Zen. … Rituale, Kleidung, Klanginstrumente, die im Laufe der Geschichte in Klöstern eingesetzt wurden, spielen eine wichtige Rolle und verdecken oft das Wesentliche. Buddhistische Mönchsgewänder, der Stil eines Sesshin, Räucherstäbchen etc. werden in manchen Gruppierungen für sehr wichtig gehalten. Der Hang zu äußeren Formen ist aber eine Anfängerkrankheit. Das nackte Zen ist ein unwandelbarer Strom, der im Westen seine äußere Struktur verändern wird, wie es sich in China verändert hat, als es dem Taoismus begegnete. Sein Wesen wird sich nicht verfälschen lassen."

                                     

5.8. Zen im Westen Christliches Zen

In den christlichen Kirchen gibt es Strömungen, das Fremde am Zen interpretatorisch aufzuheben, so dass sich sogenanntes "christliches Zen" entwickelte. Eine Alternative dazu sieht Ursula Baatz darin, die Begegnung von Christentum und Zen-Buddhismus nicht als "Vereinigung" spiritueller Wege zu verstehen, die letztlich auf dasselbe hinauslaufen, sondern als Begegnung und Beziehung, bei der sich beides gegenseitig befruchtet und jedes sich damit auch verändert, ohne aber "eins" zu werden. "Religiöse Zweisprachigkeit" nennt Baatz das im Rückgriff auf Denkschulen, die unter anderem durch die Begegnung von Zen und Christentum im interkulturellen Kontext entstanden sind. Dann lässt sich nicht mehr von "christlichem Zen" sprechen, wohl aber davon, dass ein Christ oder eine Christin Zen praktiziert und damit zusätzliche Erfahrungen in einer anderen religiösen Praxis sammelt.

                                     

5.9. Zen im Westen Zen und Kultur

Der Amerikaner Edward Espe Brown verbindet die Kunst des Kochens mit Zen und gibt Zen-Kochkurse.

Der Schweizer Helmut Brinker beschäftigte sich mit den Berührungen zwischen Zen und Bildender Kunst.

Der Film How to Cook Your Life von Doris Dörrie, 2007 gedreht unter anderem im Buddhistischen Zentrum Scheibbs, stellt eine Brücke zu wichtigen Einsichten des Zen her.

Auch literarische Brücken zum Zen entstanden: Gammler, Zen und hohe Berge ist der deutsche Titel eines Romans, der 1958 von Jack Kerouac herausgegeben wurde.

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