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ⓘ Józef Andrzej Gierowski



Józef Andrzej Gierowski
                                     

ⓘ Józef Andrzej Gierowski

Józef Andrzej Gierowski, literarisch auch Josef Gierowski, war ein polnischer Historiker, Rektor der Universität Krakau und Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften sowie der Polnischen Akademie der Gelehrsamkeit.

                                     

1. Leben und Wirken

Gierowski war während des Zweiten Weltkrieges Angehöriger der Polnischen Heimatarmee Armia Krajowa. Er studierte an der Untergrunduniversität Krakau bei Władysław Konopczyński und wurde 1947 an der Universität Breslau zum Doktor promoviert. 1953 übernahm er die Leitung des in Krakau angesiedelten Instituts für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften, an welchem seit 1957 unter der Redaktion von Tadeusz Manteuffel die "Geschichte Polens" Historia Polski und seit 1960 unter der Redaktion von Karol Maleczyński die "Geschichte Schlesiens" Historia Śląska in zahlreichen Bänden herausgegeben wurde. Für beide Serien bearbeitete Gierowski die Darstellung der Frühneuzeit. Gierowski war ferner Redakteur der seit 1956 erscheinenden Editionsreihe "Schlesische Urbare" Urbarze śląske und Mitautor der 1958 veröffentlichten "Geschichte Breslaus bis 1807" Dzieje Wroclawia do roku 1807 ; zusammen mit Wacław Długoborski und Karol Maleczyński.

1965 wechselte Gierowski auf den Lehrstuhl für polnische Geschichte des 16.–18. Jahrhunderts an der Universität Krakau und war dort von 1967 bis 1972 Direktor des Historischen Instituts. Von 1977 bis 1981 leitete Gierowski in Breslau das Institut für Schlesische Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Für die 1978 in Warschau neu verlegte Historia Polski bearbeitete Gierowski den zweiten Teil, der die Zeit von 1505 bis 1864 behandelte; das Werk erlebte bis 1988 zwölf Auflagen. 1981 wurde Gierowski zum Rektor der Krakauer Universität gewählt und übte dieses Amt bis 1987 aus. Unter seinem Rektorat wurde 1983 Papst Johannes Paul II. die Ehrendoktorwürde der Universität verliehen und 1986 das Forschungszentrum für Jüdische Studien eröffnet, dessen Leitung Gierowski übernahm.

Noch im Revolutionsjahr 1989 wurde Gierowski in die neu belebte, traditionsreiche Polnische Akademie der Gelehrsamkeit Polska Akademia Umiejętności berufen und 1990 zum Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät der Akademie bestellt. 1996 erschien dort in englischer Sprache Gierowskis Abhandlung über die Polnisch-Litauische Adelsrepublik im 18. Jahrhundert. Gierowski war 1991 Gründungsmitglied und bis 2001 Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Judaica in Krakau. 1993 wurde er in die "Hauptkommission zur Erforschung von Verbrechen gegen das Polnische Volk" Główna Komisja Badania Zbrodni przeciwko Narodowi Polskiemu am Institut für Nationales Gedenken Instytut Pamięci Narodowej berufen. 2001 erschien von Gierowski in der "Großen Geschichte Polens" Wielka historia Polski der fünfte Teil, der die Geschichte des Polnischen Königreiches von 1648 bis 1763 behandelt.

Gierowski wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, in Polen u. a. mit dem Orden der Wiedergeburt Polens II. Klasse 1989, der Ehrendoktorwürde der Universität Breslau 1992 und dem Kreuz der Polnischen Heimatarmee 1994.

                                     

2. Verdienste um die Geschichtsschreibung

Gierowski war ein hervorragender Kenner der späteren Polnisch-Litauischen Adelsrepublik 1569–1795. Die von ihm zur Regentschaft Augusts des Starken angestoßenen Studien führten zu einer Revision der Anschauungen über die Zeit der Polnisch-Sächsischen Personalunion 1697–1763, von der in der deutschen und polnischen Geschichtsschreibung seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hauptsächlich ein negatives Bild gezeichnet worden war. Den Wendepunkt in der wissenschaftlichen Betrachtung markierte der von Gierowski 1962 zusammen mit dem Rostocker Osteuropahistoriker Johannes Kalisch 1928–2002 herausgegebene Sammelband "Um die polnische Krone", der vor allem in Polen zahlreiche neue Studien zur Geschichte der sächsisch-polnischen Beziehungen auslöste.

Deutsche und polnische Historiker sehen Gierowskis Verdienst jedoch nicht nur darin, die "schwarze Legende von den sächsischen Zeiten" Michael Komaszynski in der Geschichte Polens dekonstruiert zu haben. Wichtiger noch war, dass durch die Studien Gierowskis und seiner Schüler wieder jener "Blick für die Unterschiede in den Beziehungen einzelner deutscher Staaten zu Polen" Jacek Staszewski geschärft wurde, der im Zeitalter des Nationalismus und bedingt durch die aggressive preußisch-deutsche Polenpolitik seit der Bismarck-Ära verloren gegangen war.

Gierowski hat sich darüber hinaus große Verdienste um die Förderung und das Verständnis der jüdischen Geschichte und Kultur in Polen erworben; ein besonderes Anliegen war es ihm, wie er selbst 1986 bei der Einweihung des Forschungszentrums für Jüdische Studien an der Krakauer Universität betonte, dazu beizutragen, noch bestehende Vorbehalte und Vorurteile gegenüber jüdischen Mitbürger/innen abzubauen.

                                     

3. Publikationen Auswahl

  • Ein Herrscher – zwei Staaten: Die sächsisch-polnische Personalunion als Problem des Monarchen aus polnischer Sicht, in: Rex Rexheuser Hg.: Die Personalunionen von Sachsen-Polen 1697–1763 und Hannover-England 1714–1837. Ein Vergleich, Wiesbaden 2005 Deutsches Historisches Institut Warschau; Quellen und Studien, Bd. 18, S. 121–152.
  • Sejmik generalny Księstwa Mazowieckiego na tle ustroju sejmikowego Mazowsza, Krakau 2001.
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