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ⓘ Mohammed Amin al-Husseini



Mohammed Amin al-Husseini
                                     

ⓘ Mohammed Amin al-Husseini

Mohammed Amin al-Husseini war ein islamischer Geistlicher und arabischer Nationalist aus einer einflussreichen Familie Jerusalems.

Großbritannien machte ihn 1921 zum Großmufti von Jerusalem und Vorsitzenden des neugeschaffenen "Obersten Islamischen Rats" im Mandatsgebiet Palästina. Er wurde zum Führer der Palästinenser, die einen eigenen Nationalstaat anstrebten. 1936 initiierte er dazu den arabischen Aufstand gegen jüdische Einwanderer und Briten. Dazu setzte er eine starke antijüdische Propaganda ein, die Islamismus, Antizionismus und verschwörungstheoretischen Antisemitismus verband. So förderte er die nachhaltige Verbreitung des Antisemitismus im arabischen Raum.

Seit 1933 suchte er die Zusammenarbeit mit dem NS-Regime, die ihm ab 1938 gewährt wurde. Von Oktober 1941 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs lebte er in Deutschland. Von dort aus verbreitete er die Nationalsozialistische Propaganda im arabischen Raum. Er war überzeugter Befürworter der Vernichtung der europäischen Juden und wirkte aktiv daran mit, indem er Fluchtwege für Juden aus Osteuropa zu blockieren suchte und tausende geflohene Juden dem NS-Regime auslieferte. Zudem wurde er Mitglied der SS und mobilisierte Muslime für die Waffen-SS auf dem Balkan.

Nach dem Krieg wurde al-Husseini in mehreren europäischen Staaten als Kriegsverbrecher gesucht, in der Schweiz festgenommen und an Frankreich übergeben. Die westlichen Alliierten verzichteten jedoch aus strategischen Gründen darauf, ihn anzuklagen. 1946 fand er in Ägypten Asyl, von wo aus er seine Ideen weiterverfolgte.

Nach dem Palästinakrieg von 1948 und der Massenflucht von Palästinensern Nakba verlor er seine politische Führungsstellung. Er war Lehrer und Förderer von Jassir Arafat, dem späteren Führer der PLO.

                                     

1.1. Leben und Wirken Anfänge

Amīn al-Husainī wurde in Jerusalem geboren; Angaben zum Geburtsjahr schwanken zwischen 1895 und 1897. Sein Vater war der Mufti Muhammad Tāhir al-Husainī. Dieser versuchte erfolglos – je nach historischer Interpretation – die osmanischen Behörden davon zu überzeugen, die jüdische Einwanderung in die osmanische Provinz Palästina einzuschränken und weitere Landverkäufe im Distrikt Jerusalem zu unterbinden, beziehungsweise die jüdischen Einwanderer seit 1891 zur Auswanderung zu veranlassen. Der Husainī-Clan setzte sich aus wohlhabenden Landbesitzern zusammen, die ihre Besitzungen im Distrikt Jerusalem im südlichen Palästina besaßen. In der Zeit von 1864 bis 1920 waren insgesamt dreizehn Mitglieder der Husainī Bürgermeister von Jerusalem.

Amīn al-Husainī besuchte zunächst die Koranschule kuttāb, bevor er auf eine weiterführende osmanische rüshdiyye und katholische Schule ging, an denen er Osmanisch und Französisch lernte. Nach einem kurzen Studienaufenthalt an der Alliance Israélite Universelle begann er islamisches Recht an der al-Azhar-Universität in Kairo zu studieren, brach sein Studium dort aber zwei Jahre später ab. seiner Lehrer dort war der einflussreiche Vordenker eines Reformislam und Panarabismus Rašīd Ridā, der bis 1935 al-Husainīs Mentor blieb. Dort war er an der Gründung einer antizionistischen palästinensischen Studentenvereinigung beteiligt.

1913 pilgerte al-Husainī im Alter von 16 Jahren zusammen mit seiner Mutter Zainab nach Mekka und erhielt den Ehrentitel eines Haddschi Hāǧǧī. Nach dem Abbruch seines Studiums zog er 1914 nach Istanbul, wo er an einer der modernisierten osmanischen Militärakademien Verwaltungswissenschaften studierte. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er in der osmanischen Armee als Artillerie-Offizier der 47. Brigade zugeteilt, die in und um Izmir stationiert war. Nach einer krankheitsbedingten Freistellung vom Militärdienst im Jahr 1916 begab er sich zurück nach Jerusalem, das 1917 von den Briten eingenommen wurde.

                                     

1.2. Leben und Wirken Politische Aktivitäten nach dem Ersten Weltkrieg

Im Zuge der Arabischen Revolte schloss sich al-Husainī den Truppen des späteren Königs Faisal an und arbeitete zeitgleich als Rekrutierer für die britische Armee in Jerusalem und Damaskus. Am Pan-Syrischen Kongress in Damaskus 1919 unterstützte er Emir Faisal aus dem Irak als zukünftigen König von Syrien. In diesem Jahr trat al-Husainī einer arabischen Nationalistenvereinigung an-Nādī al-ʿArabī deutsch: "Der arabische Verein" in Jerusalem bei, deren Vorsitzender er wurde. Er schrieb Artikel für die erste in Palästina gegründete Zeitung, Sūriyya al-Ǧanūbiyya "Süd-Syrien". Die Zeitung erschien in Jerusalem von September 1919 bis April 1920 und unterstützte die Idee eines Großsyriens. Sie stand unter der Leitung des Rechtsanwalts Muhammad Hassan al-Budayrī und wurde herausgegeben von ʿĀrif al-ʿĀrif, beides prominente Mitglieder von an-Nādī al-ʿArabī.

Bis 1921 konzentrierte al-Husseini sich auf den Panarabismus und im Besonderen auf Großsyrien mit Palästina als Südprovinz eines arabischen Staates und Damaskus als Hauptstadt. Großsyrien sollte ein Territorium umfassen, das die heutigen Staaten Syrien, Libanon, Jordanien und Israel, sowie die besetzten Gebiete beinhalten sollte. Der Kampf für Großsyrien brach zusammen, nachdem gemäß dem Sykes-Picot-Abkommen die Herrschaft über das heutige Gebiet Syriens und des Libanons ab Juli 1920 an das französische Völkerbundmandat für Syrien und Libanon übergeben wurde. Die französische Armee besetzte Damaskus, besiegte König Faisal und zerschlug Großsyrien. Danach wandte sich al-Husseini von einem an Damaskus orientierten Panarabismus einer speziell palästinensischen Ideologie mit Jerusalem als Mittelpunkt zu.

Ein jüdischer Kollege al-Husseinis, Abbady, überliefert aus seinen frühen Jahren das Zitat:

Diese Aussage deckt sich mit späteren, von ihm verantworteten Sendungen des Senders Zeesen, die sich gegen Industrie bzw. eine Industrialisierung aussprechen, wobei die Deutschen in internen Dokumenten das begrüßten: Man wolle sich schließlich keine Konkurrenz auf dem Weltmarkt heranziehen.

Nach den Nabi-Musa-Unruhen vom 4. bis 7. April 1920 in der Altstadt von Jerusalem, mit fünf Toten, 216 Verletzten und 18 Schwerverletzten auf jüdischer Seite sowie vier Toten, 23 Verletzten und einem Schwerverletzten auf arabischer Seite verurteilte die britische Militärgerichtsbarkeit eine beträchtliche Anzahl Araber und Juden zu langen Gefängnisstrafen. Al-Husseini wurde, da er nach Syrien geflohen war, in Abwesenheit zu zehn Jahren verurteilt – unter dem Vorwurf, die Aufstände angeheizt zu haben. Er musste jedoch keinen einzigen Tag dieser Strafe absitzen.

                                     

1.3. Leben und Wirken Ernennung zum Mufti von Jerusalem

1921 wurde die britische Militärverwaltung Palästinas durch eine Zivilverwaltung abgelöst. Der erste Hochkommissar Herbert Louis Samuel hob das Urteil gegen al-Husseini auf und ernannte ihn trotz seiner mangelnden religiösen Ausbildung infolge seines Studienabbruchs in Kairo zum Mufti von Jerusalem, eine Stellung, die al-Husseini-Familie seit mehr als einem Jahrhundert mit verschiedenen Mitgliedern innehatte. Samuel versuchte dadurch einen Ausgleich mit den palästinensischen Arabern zu erzielen. Insbesondere wollte er den Clan der Husseinis zufriedenstellen, nachdem ein Familienmitglied als Bürgermeister von Jerusalem nach dem Pogrom von 1920 abgesetzt worden war. Zusätzlich wurde mit der Wiedereinführung eines Großmuftis von Jerusalem versucht, ein neues politisch-religiöses Oberhaupt unter Kontrolle der britischen Mandatsbehörden ins Leben zu rufen, nachdem unter den Jungtürken das Amt des Schaich al-Islām 1916 delegitimiert und 1920 de facto abgeschafft worden war.

Dieses Ernennungsverfahren war nicht im Einklang mit der osmanischen Tradition. Nach dieser ernannte eine Konklave aller derzeit tätigen Muftis als oberste religiöse Autoritäten drei Kandidaten, aus denen der weltliche Herrscher, einen erheblichen Teil davon in fremden Währungen". Dies ergaben Befragungen des Chefs des Auslandsnachrichtendienstes des Reichssicherheitshauptamtes, Walter Schellenberg sowie ergänzend des Konsuls Carl Rekowski vom Auswärtigen Amt durch den US-Ankläger bei den Nürnberger Prozessen, Robert M. W. Kempner. Hier organisierte er Radiopropaganda unterstützt von einem umfangreichen Mitarbeiterstab, der ihm zur Verfügung gestellt wurde, für Deutschland und vor allem für den arabisch- sowie persischsprachigen Raum, verfasste entsprechende Aufrufe, trieb Spionage und Zersetzung in den islamischen Regionen Europas und des Nahen Ostens. Unter anderem trat er in der Berliner Moschee auf, z. B. anlässlich des Festes des Fastenbrechens im Jahr 1942. Nach dem Sieg der Alliierten in der zweiten Schlacht von El-Alamein rief er zum Dschihad gegen die Juden auf: "Ich erkläre einen heiligen Krieg, meine Brüder im Islam! Tötet die Juden! Tötet sie alle!"

Rudolf Kastner sagte in den Nürnberger Prozessen aus, der Stellvertreter Adolf Eichmanns, Dieter Wisliceny, habe dem Mufti bereits im Juni 1944 eine Rolle bei der Entscheidung der deutschen Regierung zur Vernichtung der Juden zugeschrieben, die nicht vernachlässigt werden dürfe. Wisliceny selbst sagte während der Nürnberger Prozesse aus, Husseini habe mehreren Nazigrößen, unter ihnen Hitler, Ribbentrop und Himmler, die Ausrottung der Juden empfohlen. Als einer der besten Freunde Eichmanns soll der Mufti nach Wisliceny das KZ Auschwitz-Birkenau besucht und die dortigen Gaskammern besichtigt haben. Für Husseini habe die nazistische "Endlösung" auch das Ende der Probleme in Palästina bedeutet.

Eichmann widersprach während seines Prozesses in Jerusalem 1961 der Behauptung, er sei mit dem Mufti befreundet gewesen. Die Glaubwürdigkeit von Wislicenys Aussagen ist umstritten. Während Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers eher Wisliceny vertrauen, sieht Bettina Stangneth darin eine Verteidigungsstrategie Wislicenys.

Husseini war offenbar genau über die Geschehnisse in Polen informiert. In einer Radiosendung aus Berlin am 21. September 1944 sagte er: "Ist es nicht in eurer Macht, oh Araber, die Juden abzuwehren, die nicht mehr als elf Millionen zählen?" Joseph Schechtman verwies darauf, dass es zu dieser Zeit allgemein bekannt gewesen sei, dass es vor 1939 etwa 17 Millionen Juden in der Welt gab.

1943 verhinderte al-Husseini nach Rücksprache mit der bulgarischen Regierung die Freilassung von 5000 jüdischen Kindern, die auf Initiative des Roten Kreuzes gegen 20.000 gefangene Deutsche ausgetauscht werden sollten. Durch seine persönliche Intervention bei Heinrich Himmler erreichte er, dass die Kinder stattdessen in deutsche Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden. Der Mufti drängte immer wieder auf den strikten Vollzug des Völkermordes an den Juden, unter anderem, indem er Ribbentrop gegenüber die Wichtigkeit der "Lösung des Weltjudenproblems" beschwor.

Am 16. Januar 1943, also in der Endphase der Schlacht von Stalingrad, deren Ergebnis den Zugang zum Mittleren Osten über den Kaukasus verhinderte, und während Nordafrika gerade von den West-Alliierten erobert wurde, wandte der Mufti sich in Berlin in französischer Sprache an die NS-Regierung und forderte sie auf, dem Krieg in Nordafrika mehr Gewicht zu verleihen. Die Araber seien zum Kampf an der Seite der Achse bereit. Frankreich dagegen sei unzuverlässig.

Ab 1943 war al-Husseini mit der Organisation und Ausbildung von bosnisch-islamischen Einheiten der Wehrmacht und Waffen-SS-Divisionen befasst. Dazu rief er muslimische Rekruten zum Dschihad auf. Er hatte die Imame dieser SS-Truppen auszubilden, die für die ideologische Formierung der Kämpfer zuständig waren. Dazu plante er mit der SS-Führung seit Mai 1943 ein "Imam-Institut" und vereinbarte mit ihr Richtlinien, die das Verhältnis des Nationalsozialismus zum Islam und die beiderseitigen Interessensphären absteckten. Die größte muslimische SS-Truppe war die 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS "Handschar" kroatische Nr. 1 nach "Handschar" ; 21.065 Mann, die ab Februar 1944 Operationen gegen serbische Zivilisten und Partisanen auf dem Balkan unternahm. Zuvor hatte sie zur "Ausbildung" 1943 bereits in Frankreich gewütet, wo es auch zu Abspaltungen aus der Truppe gekommen war, Teile wendeten sich gegen die SS, Überlebende der Erhebung flohen ins Maquis. Sie war für eine Reihe von Gräueltaten gegen die serbische Zivilbevölkerung in Bosnien-Herzegowina verantwortlich. Die 23. Waffen-Gebirgs-Division der SS "Kama" 3793 Mann erreichte nicht die operative Stärke einer Division und wurde nach fünf Monaten aufgelöst; ihre Angehörigen wurden auf andere Einheiten verteilt. Weitere Einheiten waren ein Moslem-SS-Selbstverteidigungsregiment im Sandschak, das sogenannte Arabische Freiheitskorps, die Arabische Brigade, die Legion Freies Arabien und ein "Osttürkischer Waffenverband" der SS. Der Reichsführer SS ernannte al-Husseini zum SS-Gruppenführer Generalleutnant der Schutzstaffel.

Von dieser Truppe wurde der "Oberimam" der SS-Division "Osttürkischer Waffenverband", Nureddin Namangani, später noch einmal berühmt. Ihn bestimmte die bayerische Staatsregierung Ende der 1950er Jahre zum Vorsitzenden einer Moscheebau-Kommission für München, um die dort konzentrierten SSler zu formieren. Er war bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstands aktiv gewesen. Bei seiner Wahl saß jedoch Said Ramadan, als damals bekanntester Führer der Muslimbruderschaft, mit im Raum. Denn die CIA hatte diesen prominenten Muslimbruder als ihren Kämpfer gegen den Kommunismus nach München geholt. Schon 1960 hatten dann die "Brüder" die Mufti-SS-Kader um Namangani aus der Moscheebau-Kommission verdrängt, die CIA hatte die Bayern an die Wand gespielt.

Am 28. Juni 1944 versuchte das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete, das unter der Führung des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg stand, weitere Staaten für sich und einen internationalen Kampf gegen Juden zu gewinnen, indem es für einen geplanten "antijüdischen Kongress" in Krakau auch eine Einladung an Mohammed Amin al-Husseini verschickte. Das Projekt wurde einen Monat später endgültig aufgegeben.



                                     

1.4. Leben und Wirken Nachkriegszeit

Bei Kriegsende floh er, wie Zehntausende anderer NS-Kriegsverbrecher, illegal in die Schweiz, wo er sich einen Tag aufhielt. Das Berner "Territorialkommando 3" berichtet am 7. Mai 1945 von fünf Gelandeten mit einer Siebel Si 204 ohne Hoheitskennzeichen auf dem Belpmoos: zwei Piloten und drei Araber, darunter al-Husseini. Die Deutschen wurden in Zivil gesteckt und geheim zurückgeschoben; die Araber wurden am 8. Mai 1945 am Grenzübergang St. Margrethen französischen Behörden übergeben.

In Frankreich wurde der Fall Mohammed Amin al-Husseini von Henri Ponsot betreut, der sich für sein Wohlergehen und seine baldige Freilassung einsetzte. 1946 konnte al-Husseini daher die französische Haft verlassen, obwohl seine Handschar-Division gerade in diesem Land Kriegsverbrechen begangen hatte. Er erhielt Asyl in Ägypten, wo auch viele andere Nationalsozialisten Unterschlupf und neue Tätigkeitsfelder fanden. Zionistische Verbände baten die Briten, al-Husseini als Kriegsverbrecher in den Nürnberger Prozessen anzuklagen. Die Briten lehnten ab, teils weil sie die Beweise für unbedeutend hielten, aber auch, weil ein solcher Schritt ihre Probleme in Ägypten und Palästina vermehrt hätte, wo al-Husseini noch populär war. Auch Jugoslawien verlangte vergeblich seine Auslieferung. Noch im selben Jahr begann al-Husseini, in Palästina seinen Kampf gegen die Juden zu organisieren und warb um Aktivisten.

Der Führer der Muslimbruderschaft, Hassan al-Banna, pries 1946 al-Husseini mit den Worten:

Die Bestrebungen des Großmufti im Sinne des Nationalsozialismus in jenen Jahren lassen sich in einer kurzen Formel zusammenfassen:

Am 22. September 1948 rief al-Husseini im Gazastreifen eine "arabische Regierung für ganz Palästina" aus, am 1. Oktober einen unabhängigen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt. Dieser Staat wurde anerkannt von Ägypten, Syrien, dem Libanon, dem Irak, Saudi-Arabien und dem Jemen, aber nicht von Jordanien und von keinem nichtarabischen Land. Seine Regierung hing völlig von Ägypten ab. Als der jordanische König Abdallah ibn Husain I. 1951 den Posten des Großmufti von Jerusalem an einen anderen vergab, organisierte al-Husseini dessen Ermordung in Jerusalem. 1959 löste Ägypten die "Arabische Regierung für ganz Palästina" auf.

Al-Husseini starb 1974 im Krankenhaus der Amerikanischen Universität in Beirut. Gemäß Berichten in der jordanischen und libanesischen Presse hatte die Waqf-Behörde Jerusalem die israelische Regierung ersucht, ihn in Jerusalem zu begraben, was jedoch verweigert wurde. 40 Tage nach seinem Tod fand eine Gedenkveranstaltung in der Islamischen Fakultät der Universität von Jordanien statt, bei der sich König Hussein durch seinen Premierminister Zaid Al-Rifai vertreten ließ. Al-Husseini war der politische Mentor der von Jassir Arafat befehligten palästinensischen Organisationen. Noch im Jahre 2002 sprach Arafat nach Angaben von Palestinian Media Watch in einem Interview von "unserem Helden al-Husseini". Arafat war jedoch nicht – wie vielfach angenommen – ein Neffe al-Husseinis, sondern lediglich ein entfernter Verwandter.

                                     

2. Probleme der Bewertung

Die Bedeutung und Wirkung des Muftis sind umstritten. David G. Dalin und John F. Rothmann schreiben ihm eine wichtige Rolle im Holocaust zu. Der Mufti habe die bosnische Waffen-SS aufgebaut und mehrmals interveniert, um die Flucht von Juden aus Europa nach Palästina zu unterbinden. Auch sei er maßgeblich an den nationalsozialistischen Plänen beteiligt gewesen, die Juden Palästinas zu vernichten. In Absprache mit dem Mufti sei im Sommer 1942 die Einsatzgruppe Ägypten unter Walter Rauff aufgestellt worden, die nach dem erwarteten militärischen Sieg im Mittleren Osten die jüdische Bevölkerung Palästinas habe ermorden sollen. Die beiden Autoren ziehen eine Traditionslinie von der anti-jüdischen Ideologie des Muftis zum islamistischen Terrorismus Anfang des 21. Jahrhunderts. Diese Ideologie habe Jahrzehnte des Judenhasses in der islamischen Welt inspiriert. Der radikale Islam sei die Hauptquelle des Antisemitismus in der modernen Welt. Die Fatwa, die der Mufti 1943 im deutschen Rundfunk verlesen habe, sei ein Slogan, der Generationen von Terroristen von Arafat über Osama bin Laden bis Ahmed Omar Saeed Sheikh inspiriert habe. Als Begründer des radikal-islamischen Antisemitismus des 20. Jahrhunderts sei der Mufti das Bindeglied zwischen dem alten Antisemitismus und dem neuen Judenhass und der Holocaustleugnung in der muslimischen Welt.

In Israel steht das Bild vom Treffen des Muftis mit Hitler für die Zusammenarbeit der arabischen Welt mit den Nationalsozialisten. Israelische Politiker haben daraus eine Ablehnung jeder Verständigung mit den Palästinensern abgeleitet. Benjamin Netanjahu etwa erklärte anlässlich einer Gedenkstunde in der Knesset am 27. Januar 2012 Mohammed Amin al-Husseini zu einem "der leitenden Architekten der ‚Endlösung. Er fuhr nach Berlin, er hat auf Hitler eingewirkt". Netanjahu machte nicht nur den Mufti zum palästinensischen Initiator und Hitler zum Vollstrecker der "Endlösung", sondern auch den Jerusalemer Mufti des Jahres 2012 zum direkten Nachfolger dieser Politik. Bereits im Zusammenhang mit dem Eichmann-Prozess waren in Israel Vorwürfe laut geworden, al-Husseini habe die Ermordung der europäischen Juden inspiriert.

Mehrere Mitglieder einer jüdischen Arbeitsgruppe in Bratislava sagten aus, Dieter Wisliceny habe ihnen von der Zusammenarbeit Eichmanns und des Muftis berichtet. "Der Mufti sei auch einer der Initiatoren der systematischen Ausrottung des europäischen Judentums durch die Deutschen und bei der Durchführung dieses Planes sei derselbe ein ständiger Mitarbeiter und Berater von Eichmann und Himmler gewesen." Wisliceny selbst bestätigte zwar den Kontakt, gab aber nicht an, al-Husseini sei ein Initiator der Schoah gewesen. Die Historikerin Idith Zertak kritisiert, dass der Ankläger im Eichmann-Prozess, Gideon Hausner, ohne Beweise die Rolle des Muftis bei der Planung und Umsetzung der NS-Verbrechen übertrieben und damit, wenn auch unfreiwillig, die Verantwortung der wahren Täter kleingeredet habe.

Dies habe dem politisch-pädagogischen Anliegen David Ben-Gurions entsprochen. Aber auch in der Enzyklopädie des Holocaust wird al-Husseini ausführlicher dargestellt als Heinrich Himmler und Reinhard Heydrich zusammen. Bernard Lewis wies darauf hin, dass die Nazis wohl kaum zusätzliche Ermutigung für ihre Vernichtungspolitik gebraucht hätten. David Motadel warnt davor, den sehr begrenzten Einfluss des Muftis in Berlin zu überschätzen. Dessen Plan, konkrete Konzessionen und Garantien für arabische und palästinensische Unabhängigkeit zu erreichen, sei gescheitert. Erfolgreich sei er nur insoweit gewesen, wie seine Vorschläge deutschen Interessen entsprachen, etwa als er intervenierte, um die jüdische Emigration aus den deutschen Satellitenstaaten in Südosteuropa nach Palästina zu unterbinden. Es sei sinnvoller, ihn als Teil einer breiter angelegten deutschen Politik gegenüber der islamischen Welt anzusehen. Er habe den Deutschen als Propagandafigur gedient, wenn es die Umstände erforderten.

Der Historiker Zvi Elpeleg hält fest, das Ausmaß der Konsequenzen von al-Husseinis Bemühungen zur Verhinderung der Flucht von Juden aus deutsch besetzten Ländern sei unmöglich abzuschätzen. Es könne aber kein Zweifel bestehen, dass der Mufti nicht nur den Zionismus gehasst habe, sondern die Juden an sich. Der Mufti habe zweifellos gewusst, welches Schicksal die Juden erwartete, deren Emigration er verhinderte. Seine Kommentare zeigten auch, dass er über die nationalsozialistische "Endlösung" sehr erfreut war.

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