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ⓘ August Hermann Hinderer



                                     

ⓘ August Hermann Hinderer

August Hermann Hinderer war evangelischer Theologe, Publizist und Honorarprofessor für Publizistik. Als Direktor des Evangelischen Preßverbandes für Deutschland in Berlin-Steglitz formte er aus der "Evangelischen Correspondenz für Deutschland" die Nachrichtenagentur Evangelischer Pressedienst.

                                     

1. Leben

August Hermann Hinderer war jüngstes von 15 Kindern des Lehrers Georg Christian Hinderer und dessen Ehefrau Anna Maria Kurz in Weilheim an der Teck. Die Familie war stark im schwäbischen Pietismus verwurzelt und er wurde am 11. August 1877 evangelisch getauft.

Sein Sohn Fritz Hinderer war ein bekannter Astronom und Astrophysiker. Die Familie bewohnte zwischen 1928 und 1944 die Villa Hinderer in Berlin-Steglitz.

                                     

1.1. Leben Ausbildung

Von 1891 bis 1895 besuchte Hinderer das Evangelische Seminar Maulbronn und war dort Stubengenosse des späteren Schriftstellers Hermann Hesse, der zusammen mit ihm 1891 in das Seminar eintrat. Nach dem Seminar in Blaubeuren studierte er Theologie in Tübingen, Greifswald und Halle.

                                     

1.2. Leben Beruflicher Werdegang

Im Jahre 1900 wurde Hinderer Vikar, 1907 wurde er zum Pfarrer ordiniert. Im selben Jahr berief ihn die Evangelische Gesellschaft Stuttgart zum Leiter ihrer literarischen Abteilung, wo er für den Buchverlag und für die Herausgabe der Württembergischen Evangelischen Gemeindeblätter verantwortlich war. 1916 wurde er Direktor des Evangelischen Preßverbandes für Württemberg und 1918 Direktor des Evangelischen Preßverbandes für Deutschland EPD in Berlin. Er führte 1919 für die dem Preßverband angegliederte Nachrichtenagentur das Kürzel "Epd" ein. 1924 wurde Hinderer Herausgeber der Wochenzeitung "Evangelisches Deutschland". 1925 entsandte ihn die Evangelische Kirche zum Beisitzer der "Film-Oberprüfstelle", der höchsten Stelle für Filmkontrolle in der Weimarer Republik, der er bis 1934 angehörte. 1925 übernahm Hinderer die Leitung des "Evangelischen Preßverbandes für Deutschland", wo er ab 1926 das "Zentralarchiv für evangelisches Schrifttum" aufbaute. Den Zweck des Archivs beschrieb er mit den Worten:

Die Gesamtauflage der vom EPD herausgegebenen Zeitungen belief sich im Jahr 1928 auf rund 17 Millionen Exemplare.

1927 berief die Berliner Universität Hinderer zum Honorarprofessor für evangelisches Pressewesen an der Theologischen Fakultät, wo er 1931 Direktor des von ihm gegründeten und vom EPD finanzierten Seminars für Publizistik wurde.



                                     

1.3. Leben Kirchliche Ämter

Die evangelische Kirche entsandte Hinderer in mehrere kirchliche und kulturpolitische Gremien. Neben dem Vertreter des katholischen und des sozialistischen Bildungsausschusses war er Mitglied des Kulturbeirats im deutschen Rundfunk. Er fungierte als Vertreter der evangelischen Kirche in der Filmoberprüfstelle und der Leipziger Reichsstelle zur Überwachung minderwertigen Schrifttums. Zudem war er Abgeordneter "kirchlicher Gesamtvertretungen" für den "Deutschen evangelischen Kirchentag" sowie für die "Preußische Generalsynode". 1934 wurde der von ihm gegründete Reichsverband der Evangelischen Presse eine Fachschaft innerhalb der Reichspressekammer. In der Würdigung des Werkes von Hinderer stehen vor allem die 15 Jahre seiner Tätigkeit als EPD-Direktor von 1918 bis 1933 im Fokus:

                                     

2. Gegnerschaft zum Naziregime

Im März 1933 warnte Hinderer als epd-Herausgeber die damals in Berlin versammelten Mitglieder des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses vor dem Nationalsozialismus. Er lavierte riskant zwischen den Machtblöcken der Nazis und befand sich in permanenter Auseinandersetzung mit dem Staat und den dem NS-Staat nahestehenden Kirchenleitungen, das heißt den regimetreuen Deutschen Christen DC und der Deutsche Evangelische Kirche DEK genannten Vereinigung der Landeskirchen. 1933 wurden die Büros des EPD von der SA besetzt, Hinderer abgesetzt und die Leitung von nationalsozialistischen Deutschen Christen übernommen. 1934 wurde Hinderer verhaftet und entging nur knapp seiner Hinrichtung. Danach verhielt er sich weitgehend neutral gegenüber dem Regime. Zeitweise diktierten die nationalsozialistischen Deutschen Christen die Nachrichtengebung des Epd, die NS-Sprachregelungen galten auch in der evangelischen Agentur. Die evangelische Presse wurde mit Verordnungen, Erlassen, Gesetzen, Verboten bekämpft. Im Laufe der Jahre wurden 50 000 vertrauliche Presseanweisungen von den Nationalsozialisten ausgegeben, mehr als ein Viertel davon bestand aus Schweigegeboten. Nachdem Hinderer den Schutz der Kirche verloren hatte, war er mit seinem Kurs der Neutralität kirchenpolitischen Anfeindungen von allen Seiten ausgesetzt. Im Februar 1945 wurde er von der Gestapo ins Verhör genommen unter dem Verdacht der Verbindung mit Männern des 20. Juli 1944 und ausländischer Pressebeziehungen. Der Autor Walter Schwarz geht auf die Gratwanderung des Theologen, Publizisten und Pressemanagers August Hinderer in seiner Hindererbiografie ein:

                                     

3. Schriften

  • August Hinderer: Geschichte der evangelischen Presseverbandsbestrebungen, 1926 Typoskript
  • August Hinderer: Ökumenisches Schrifttum. Berlin 1927
  • August Hinderer: Zeitungskunde. Vorlesungsmanuskript von August Hinderer, Gemeinschaftswerk der Evangelischen Presse, 1961.
  • August Hinderer: Deutsch-evangelisches Pressewesen, in: Der Protestantismus der Gegenwart, Hrsg. G.Schenkel. Stuttgart, 1926, Seite 383–393.
  • August Hinderer: Was zur Tat wurde: Bilder aus der Inneren Mission in Württemberg. Stuttgart 1910
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